Italo greift den deutschen Fernverkehr an: Drohen 16 Städten weniger ICE- und IC-Verbindungen?
- 15. Juni
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Der geplante Einstieg des italienischen Bahnunternehmens Italo in den deutschen Fernverkehr sorgt bereits vor dem Start für kontroverse Diskussionen. Während mehr Wettbewerb auf der Schiene grundsätzlich als Chance für Fahrgäste gesehen wird, warnt die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vor möglichen Nachteilen für zahlreiche Städte und Regionen in Deutschland.
Ab dem Jahr 2028 will Italo auf dem deutschen Markt aktiv werden und zunächst die stark frequentierten Verbindungen München–Frankfurt–Köln–Dortmund sowie München–Berlin–Hamburg bedienen. Beide Strecken zählen zu den wirtschaftlich attraktivsten Fernverkehrsachsen des Landes und weisen eine hohe Auslastung auf. Genau darin sieht die EVG jedoch ein Problem. Die Gewerkschaft befürchtet, dass sich der neue Anbieter vor allem auf profitable Verbindungen konzentrieren könnte, während der Deutschen Bahn wichtige Einnahmen verloren gehen. Diese werden bislang genutzt, um auch weniger rentable Fernverkehrsstrecken aufrechtzuerhalten.
Nach einer ersten Analyse der Gewerkschaft könnten mindestens 16 Städte von einer Ausdünnung oder sogar dem Wegfall von ICE- und IC-Halten betroffen sein. Genannt werden unter anderem Aachen, Augsburg, Bamberg, Chemnitz, Cottbus, Freiburg, Ingolstadt, Jena, Magdeburg, Münster, Osnabrück, Rostock, Saarbrücken, Schwerin und Singen. Auch in Trier könnten geplante Verbesserungen im Fernverkehr ausbleiben. Die EVG betont jedoch, dass es sich bislang um eine erste Bewertung handelt und die tatsächlichen Auswirkungen noch umfangreicher ausfallen könnten.
EVG-Chef Martin Burkert warnt vor einer sogenannten „Rosinenpickerei“ im Fernverkehr. Wenn Wettbewerber ausschließlich die lukrativen Hauptstrecken bedienen, drohe langfristig eine Schwächung des Gesamtsystems. Die Folge könnten geringere Investitionen und ein Rückgang von Fernverkehrsangeboten in vielen Regionen sein. Ähnlich argumentiert auch die Deutsche Bahn. Das Unternehmen betont, dass ein funktionierendes Fernverkehrsnetz nicht nur die großen Metropolen miteinander verbinden müsse, sondern auch mittelgroße Städte und Regionen zuverlässig an das Schienennetz angeschlossen bleiben sollten.
Unterstützung erhält diese Sichtweise aus den Bundesländern. Mehrere Verkehrsminister haben bereits deutlich gemacht, dass sie eine Konzentration auf wenige rentable Hauptstrecken kritisch sehen. Ihrer Auffassung nach müssen auch künftig alle Oberzentren und wichtigen Regionalstandorte einen attraktiven Fernverkehrsanschluss behalten. Ein Wettbewerb, der sich ausschließlich auf die wirtschaftlich stärksten Verbindungen konzentriert, wird daher von vielen Seiten skeptisch betrachtet.
Noch ist offen, welche konkreten Auswirkungen der Markteintritt von Italo tatsächlich haben wird. Die Vergabe der benötigten Trassen erfolgt durch die Bahn-Tochter InfraGo unter Aufsicht der Bundesnetzagentur. Gewerkschaft und Deutsche Bahn fordern deshalb politische Rahmenbedingungen, die einen fairen Wettbewerb ermöglichen und gleichzeitig die flächendeckende Versorgung im Fernverkehr sichern. Fest steht bereits jetzt: Die Debatte um mehr Konkurrenz auf der Schiene wird in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen und die Zukunft des deutschen Fernverkehrs maßgeblich prägen.
Bildquelle: VincentLR / ITALO
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