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Neue Regeln bei Personen im Gleis? Bahn prüft langsame Weiterfahrt

  • vor 2 Tagen
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Neue Regeln bei Personen im Gleis? Bahn prüft langsame Weiterfahrt

Personen im Gleis sorgen fast 20-mal täglich für Einschränkungen im Bahnverkehr und führen insbesondere auf stark befahrenen Strecken häufig zu erheblichen Verspätungen und Zugstaus. Die Deutsche Bahn möchte deshalb die bestehenden Abläufe überprüfen und Züge unter bestimmten Voraussetzungen künftig langsam weiterfahren lassen, sofern keine unmittelbare Gefahr besteht und keine Kinder beteiligt sind.


Im Jahr 2025 wurden nach Angaben der Deutschen Bahn insgesamt 6.650 Einschränkungen des Betriebsablaufs durch Personen im Gleis registriert. Das entspricht durchschnittlich rund 18 Vorfällen pro Tag. Gegenüber 2024 mit 7.265 Fällen ist die Zahl zwar zurückgegangen, bleibt jedoch auf einem hohen Niveau. Als Gründe nennt die Bahn unter anderem ein sinkendes Gefahrenbewusstsein, eine geringere Hemmschwelle beim Betreten gesperrter Bereiche sowie riskante Trends wie Foto- und Videoaufnahmen im Gleisbereich.


Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender der Infrastrukturgesellschaft DB InfraGO, setzt sich deshalb für klarere betriebliche Regelungen ein. Werden ausschließlich Erwachsene im oder am Gleis gemeldet und besteht keine unmittelbare Gefahr, könnten Züge den betroffenen Streckenabschnitt künftig beispielsweise mit einer reduzierten Geschwindigkeit von 40 oder 50 Kilometern pro Stunde passieren. Dadurch sollen umfangreiche Sperrungen vermieden und die Auswirkungen auf den laufenden Betrieb begrenzt werden.


Das Bundesverkehrsministerium begrüßt die Prüfung möglicher Verbesserungen. Veränderungen seien jedoch nur dann denkbar, wenn sie sicherheitsrechtlich und organisatorisch vertretbar sind. Die Sicherheit der betroffenen Personen müsse weiterhin oberste Priorität haben.


Schon heute wird der Zugverkehr bei Personen im Gleis nicht in jeder Situation automatisch vollständig eingestellt. Entscheidend sind unter anderem der genaue Aufenthaltsort, das Alter der betroffenen Personen und die unmittelbare Gefahrenlage. Werden Kinder direkt im Gleisbereich gesichtet, wird der betroffene Streckenabschnitt unverzüglich gesperrt und erst nach einer Kontrolle vor Ort wieder freigegeben. Bei Erwachsenen im Gleis oder Kindern in der Nähe der Gleise können Lokführer zunächst zu einer langsamen Erkundungsfahrt auf Sicht aufgefordert werden. Befinden sich Personen lediglich in der Nähe der Bahnanlagen, kann der Fahrdienstleiter das Zugpersonal anweisen, den Bereich aufmerksam zu beobachten und anschließend Rückmeldung zu geben.


Dirk Flege, Geschäftsführer der Allianz pro Schiene, sieht bei der Anwendung der bestehenden Regelungen noch Verbesserungspotenzial. Seiner Einschätzung nach werde der gesamte Zugverkehr teilweise auch dann gestoppt, wenn möglicherweise keine unmittelbare Gefahr mehr bestehe. Vorhandene Ermessensspielräume würden aus Sorge vor möglichen Folgen häufig besonders vorsichtig ausgelegt. Auch das Bundesverkehrsministerium verweist daher zunächst auf eine bessere operative Anwendung der bereits bestehenden Vorschriften.

Das Thema war ebenfalls Bestandteil der „Taskforce für eine zuverlässige Bahn“. In deren Maßnahmenpaket ist vorgesehen, die Verfahren bei Personen und Tieren im Gleis zu beschleunigen und die betrieblichen Auswirkungen zu reduzieren. Wie diese Maßnahme konkret umgesetzt werden soll, ist bislang noch offen.


Unabhängig davon bleibt die besondere Gefahr im Schienenverkehr bestehen: Züge können Hindernissen nicht ausweichen und benötigen einen langen Bremsweg. Ein Zug, der mit 100 Kilometern pro Stunde unterwegs ist, braucht zum Anhalten etwa 800 bis 1.000 Meter. Mögliche Änderungen der betrieblichen Abläufe müssen daher sorgfältig geprüft werden.

Schnellere Verfahren könnten einzelne Streckensperrungen verkürzen und den Betrieb in konkreten Situationen stabilisieren. Die grundsätzlichen Pünktlichkeitsprobleme im Fernverkehr dürften sie jedoch nur begrenzt lösen. In den ersten sechs Monaten des Jahres waren lediglich 58,7 Prozent der Fernzüge pünktlich. Zusätzlich fiel nahezu jeder zwölfte Fernzug vollständig oder auf einem Teil seiner Strecke aus. Als Hauptursachen gelten weiterhin der schlechte Zustand des Schienennetzes und die zahlreichen Bauarbeiten.


Bildquelle: Deutsche Bahn AG / Anna Scheidt

 
 
 

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