180 Weltpremieren und 3,5 Kilometer Gleise: Auf der InnoTrans wird die Bahn von morgen greifbar

Ein Führerstand, der sich mit dem Tablet verbindet. Züge, die ihre Umgebung erkennen. Und neue Nachtzugzimmer, die das Reisen im Schlaf verändern sollen: Die InnoTrans 2026 steckt voller Entwicklungen, die Bahnbegeisterte neugierig machen. Wir konnten heute bereits vor dem offiziellen Messestart hinter die Kulissen schauen und erste Einblicke für euch sammeln. Vom 22. bis 25. September trifft sich die internationale Bahnbranche in Berlin, mit 180 angekündigten Weltpremieren.
Schon die Dimensionen beeindrucken: Auf dem Frei- und Gleisgelände werden 113 Fahrzeuge aus 17 Ländern präsentiert. Elf Ausstellungsgleise ergeben zusammen rund 3.500 Meter Gleislänge. Hier stehen Hochgeschwindigkeitszüge, Lokomotiven und Spezialfahrzeuge dicht beieinander und machen sichtbar, wie unterschiedlich die Antworten auf die Zukunftsfragen der Bahn ausfallen.
Besonders spannend wird es im Führerstand des Vectron X von Siemens Mobility. Die neue Generation der bekannten Lokomotivplattform verbindet bewährte Fahrzeugtechnik mit digitalen Anwendungen. Über TrainPlay können ausgewählte Anwendungen vom Smartphone oder Tablet auf den zentralen Smart Screen übertragen werden. Informationen für den Arbeitsalltag sollen damit direkt dort verfügbar sein, wo das Fahrpersonal sie braucht. Die Plattform, auf der der Vectron X aufbaut, ist längst etabliert: Siemens nannte im Juni 2026 bereits knapp
3.000 verkaufte Vectron-Lokomotiven, diese Zahl bezieht sich auf die gesamte Vectron-Familie.
Wie ein Zug seine Umgebung wahrnehmen kann, zeigt das Projekt AutomatedTrain. Kameras, Radar und weitere Sensoren sollen Hindernisse erkennen und die Grundlage für vollautomatisierte Abläufe schaffen. Dafür kommen zwei unterschiedliche Versuchsfahrzeuge zum Einsatz: Eine S-Bahn der Baureihe 430 sammelt im Stuttgarter Netz Daten zur Umfeld- und Objekterkennung. Dabei bleibt die Kontrolle beim Triebfahrzeugführer. Mit einem Siemens Mireo werden im Prüfzentrum Wegberg-Wildenrath vollautomatisierte Bereitstellungs- und Abstellfahrten sowie das selbstständige Auf- und Abrüsten erprobt. Auf dem Testgelände der Havelländischen Eisenbahn in Berlin-Spandau wurden zuvor Erkennungsszenarien mit einem separaten Versuchsaufbau untersucht. So wird Schritt für Schritt erprobt, wie Züge künftig selbstständig auf ihre Umgebung reagieren können.
Für die Faszination Hochgeschwindigkeit sorgt Hitachi Rail mit dem ETR1000 Frecciarossa. Auf der Messe zeigt der Hersteller vier Wagen der neuesten Generation, darunter Bereiche der Executive- und Business-Klasse sowie einen Bistrowagen. Die ETR1000-Plattform wurde technisch für Geschwindigkeiten bis 400 km/h ausgelegt, das ist keine Angabe zur regulären Betriebsgeschwindigkeit des Messefahrzeugs. Hitachi bringt zudem jahrzehntelange Erfahrung aus der Fertigung japanischer Shinkansen-Züge mit. In Berlin lässt sich damit aus nächster Nähe entdecken, welche Technik und welcher Komfort hinter dem internationalen Hochgeschwindigkeitsverkehr stehen.
Einen ganz anderen Blick auf das Reisen eröffnet Nox Mobility. Das Unternehmen stellt ein Nachtzugkonzept vor, bei dem private Zimmer für eine oder zwei Personen im Mittelpunkt stehen. Für Reisende verspricht dieser Ansatz vor allem mehr Privatsphäre. Die Präsentation gehört damit zu den spannenden Anlaufpunkten für alle, die wissen möchten, wie eine Nacht auf Schienen künftig aussehen könnte. Auch Stadler setzt neue Akzente und präsentiert unter anderem einen Wasserstoffzug für Schmalspurstrecken.
Eine echte Weltpremiere kommt außerdem von Liebherr: Der neue Zweiwegebagger RE 22 M wird erstmals vorgestellt. Gemeinsam mit dem ebenfalls ausgestellten RE 25 M zeigt er, wie sich die Technik für Arbeiten auf und neben dem Gleis weiterentwickelt. Hinzu kommt ein gemeinsam mit Siemens entwickelter Bremsaktuator, der ohne Druckluft arbeitet. Damit rücken auch die technischen Komponenten ins Rampenlicht, die Fahrgäste normalerweise kaum zu Gesicht bekommen.
Unser erster Blick hinter die Kulissen macht Lust auf mehr: auf neue Fahrzeuge, überraschende Details und Gespräche mit den Menschen, die diese Entwicklungen möglich machen. Wir nehmen euch in den kommenden Tagen mit über das Messegelände und zeigen euch, welche Ideen den Bahnbetrieb und das Reisen verändern könnten.
Bildquelle: TeamBahn
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