Sicherheitsmitarbeiter stürzt bei 120 km/h aus Regionalzug
- 21. Juli
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Aktualisiert: vor 3 Tagen

Ein 26-jähriger Sicherheitsmitarbeiter ist während einer Auseinandersetzung in einem fahrenden Regionalzug aus dem Zug gestürzt und lebensgefährlich verletzt worden. Der mutmaßliche Angreifer befindet sich nach der Ablehnung eines Haftantrags wieder auf freiem Fuß.
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ereignete sich der Vorfall am Freitagabend in einem Regionalzug auf dem Weg nach Karlsruhe. Ausgangspunkt soll eine eskalierte Fahrkartenkontrolle gewesen sein. Ein alkoholisierter 36-jähriger Fahrgast habe sich geweigert, seine Personalien anzugeben und den Zug zu verlassen. Im weiteren Verlauf soll der Mann den Sicherheitsmitarbeiter mit Fäusten geschlagen und getreten haben.
Während der körperlichen Auseinandersetzung seien beide mehrfach gegen eine Zugtür gestoßen. Nach bisherigen Erkenntnissen könnte diese dabei unbemerkt beschädigt worden sein. Als der 26-Jährige versuchte, den am Boden liegenden Fahrgast aufzurichten, soll dieser erneut kräftig nach ihm getreten haben. Der Sicherheitsmitarbeiter stürzte daraufhin zu Boden und prallte abermals gegen die Tür. Diese gab nach, sodass der Mann durch einen entstandenen Spalt aus dem fahrenden Zug fiel.
Zum Zeitpunkt des Sturzes soll der Regionalzug mit rund 120 Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen sein. Der 26-Jährige wurde kurze Zeit später schwerst verletzt gefunden und in ein Krankenhaus gebracht. Nach Angaben der Behörden ist sein Zustand stabil, aber weiterhin kritisch. Weitere Einzelheiten zu seinem Gesundheitszustand wurden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht veröffentlicht.
Warum die Zugtür dem Aufprall nicht standhielt, ist bislang ungeklärt. Ein technischer Sachverständiger wurde damit beauftragt, die genauen Umstände zu untersuchen. Wann erste Ergebnisse vorliegen werden, ist noch offen.
Der 36-jährige Tatverdächtige wurde nach dem Vorfall zunächst vorläufig festgenommen. Die Staatsanwaltschaft beantragte Untersuchungshaft, das zuständige Amtsgericht lehnte den Antrag jedoch ab. Eine Begründung wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft ist der Mann bereits wegen Gewaltdelikten vorbestraft und stand zum Zeitpunkt des Vorfalls unter Bewährung. Gegen ihn wird wegen des Verdachts der Körperverletzung ermittelt. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.
Die Deutsche Bahn reagierte bestürzt und verurteilte den Angriff deutlich. Die Gedanken seien bei dem schwer verletzten Mitarbeiter, erklärte eine Sprecherin. Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG zeigte sich fassungslos. Der Vorfall verdeutliche erneut, dass verbale und körperliche Übergriffe auf Bahnbeschäftigte zunehmend lebensgefährliche Ausmaße annähmen.
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer forderte ebenfalls Konsequenzen. GDL-Chef Mario Reiß sprach sich für entschlossenere Maßnahmen der Justiz, mögliche Gesetzesänderungen und einen stärkeren Schutz des Zugpersonals aus. Viele Beschäftigte müssten inzwischen mit wachsender Angst ihren täglichen Dienst antreten.
Der Fall erinnert an den tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter in Rheinland-Pfalz. Dieser war Anfang Februar bei einer Fahrkartenkontrolle so schwer geschlagen worden, dass er später an seinen Verletzungen starb. Der 26-jährige Täter wurde inzwischen wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu einer zehnjährigen Freiheitsstrafe verurteilt.
Die Zahl der registrierten Übergriffe auf Bahnbeschäftigte ist zuletzt gestiegen. Nach Angaben der Bundesregierung erfasste die Bundespolizei im Jahr 2025 rund 2.690 Angriffe auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Bahn. Das waren etwa elf Prozent mehr als im Vorjahr.
Bildquelle: TeamBahn
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