Höhere Schienenmaut: Fahrgästen drohen steigende Ticketpreise im Nahverkehr
- 23. Juli
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Aktualisiert: vor 4 Tagen

Die Schienenmaut in Deutschland wird für den Nahverkehr deutlich teurer, während der Fern- und Güterverkehr entlastet wird. Für Fahrgäste könnte diese Entwicklung spürbare Folgen haben. Der Schienenpersonennahverkehr muss in diesem Jahr im Vergleich zu den bisherigen Beträgen rund 400 Millionen Euro zusätzlich aufbringen. Das hat die Bundesnetzagentur in Bonn angeordnet. Sollten Bund und Länder keine Möglichkeit finden, diese Mehrkosten für die Verkehrsunternehmen auszugleichen, könnten die Ticketpreise weiter steigen.
Der Regionalverkehr steht bereits seit Jahren durch stark gestiegene Energie-, Kraftstoff- und Personalkosten unter Druck. Vielerorts wurden die Fahrpreise deutlich angehoben, auch das Deutschlandticket-Abo ist teurer geworden. Die Bundesregierung arbeitet deshalb an einer Reform des Trassenpreissystems. Bei den Trassenpreisen handelt es sich um eine Art Schienenmaut, die Verkehrsunternehmen für die Nutzung der Infrastruktur an den Netzbetreiber Deutsche Bahn zahlen müssen. Für den Regionalverkehr waren diese Kosten bislang gedeckelt. Das ging zulasten des Fern- und Güterverkehrs, der nun um insgesamt rund 400 Millionen Euro entlastet werden soll.
Der Europäische Gerichtshof hatte im März entschieden, dass der bisherige Preisdeckel nicht mit europäischem Recht vereinbar ist. Die Berechnung verstoße gegen die Vorgaben der Europäischen Union, da sie zu unflexibel sei, urteilten die Richterinnen und Richter in Luxemburg. Das Verwaltungsgericht Köln hatte sich zuvor mit dieser Frage an den Europäischen Gerichtshof gewandt. Die Infrastruktursparte der Deutschen Bahn, DB InfraGo, ihr Tochterunternehmen DB Regionetz Infrastruktur sowie weitere Beteiligte hatten das Trassenpreissystem für das Jahr 2025 gerichtlich angefochten.
Im konkreten Verfahren ging es um einen Beschluss der Bundesnetzagentur. Sie muss die von den Betreibern jährlich beantragten Entgelte genehmigen. Gegenüber dem ursprünglichen Antrag der Betreiber hatte die Behörde die Entgelte für den Nahverkehr reduziert und gleichzeitig die Kosten für den Fern- und Güterverkehr erhöht.
Nach dem Urteil im März warnten Verkehrsunternehmen neben möglichen Ticketpreiserhöhungen auch vor einem ausgedünnten Liniennetz und längeren Wartezeiten im Regionalverkehr. Vom Bundesverkehrsministerium forderten sie mehr Tempo bei der bereits seit Längerem ausstehenden grundlegenden Reform des Trassenpreissystems. Der Branchenverband Die Güterbahnen bezeichnete es als unverständlich, dass das Bundesverkehrsministerium bis heute keinen belastbaren Reformvorschlag für eine verlässliche und wettbewerbsfähige Schienenmaut vorgelegt hat. Der Beschluss der Bundesnetzagentur korrigiere nun einen der gravierendsten Fehler im Trassenpreissystem. Das war die notwendige Medizin, ist aber keine Heilung.
Bildquelle: TeamBahn
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