Bahn-Boni trotz Leistungsschwäche: Kritik an niedrigen Zielvorgaben
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Aktualisiert: vor 3 Tagen

Obwohl die Deutsche Bahn weiterhin mit Verspätungen und unzufriedenen Fahrgästen kämpft, erhielten ihre Vorstandsmitglieder für das Jahr 2025 variable Vergütungen von insgesamt knapp drei Millionen Euro zusätzlich zu ihren Grundgehältern. Allein der frühere Konzernchef Richard Lutz bekam laut Geschäftsbericht 570.000 Euro. Recherchen des ZDF-Magazins „frontal“ zeigen nun, dass die dafür festgelegten Leistungshürden vergleichsweise niedrig angesetzt waren.
Besonders deutlich wird dies bei der Pünktlichkeit im Fernverkehr. Den internen Vergütungsregeln zufolge wären bereits bei einer Quote von 65 Prozent erste Zahlungen fällig geworden. Mit 67,5 Prozent hätte der Vorstand das Ziel vollständig erreicht, ab 70 Prozent wären sogar 150 Prozent des vereinbarten Betrags möglich gewesen. Tatsächlich kamen 2025 jedoch nur 60,1 Prozent der Fernzüge pünktlich an, sodass dieses Ziel verfehlt wurde. Auch im Regionalverkehr lag die erreichte Quote von 89,2 Prozent knapp unter der für eine Auszahlung erforderlichen Marke von 90 Prozent.
In anderen Geschäftsbereichen profitierten die Verantwortlichen dagegen von den niedrigeren Vorgaben. Bei DB Cargo genügte eine Pünktlichkeitsquote von 66,5 Prozent. Mit tatsächlich erreichten 67,7 Prozent wurde das Ziel übertroffen und damit ein Teil der variablen Vergütung ausgelöst. Der frühere Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer, Claus Weselsky, kritisiert diese Praxis scharf. Seiner Ansicht nach seien die Anforderungen bewusst so gestaltet, dass Führungskräfte trotz schwacher Konzernleistungen zusätzliche Zahlungen erhalten könnten.
Auch die Kundenzufriedenheit fließt in die Berechnung ein. Im Fernverkehr musste die Bahn mindestens die Schulnote 3,0 erreichen, damit eine Vergütung möglich wurde. Für die vollständige Zielerfüllung reichte die Note 2,6, die 2025 auch erzielt wurde. Nach Angaben des Unternehmens basiert das Ergebnis auf einer Onlinebefragung: Am Tag nach ihrer Reise werden rund 5.000 zufällig ausgewählte Fahrgäste um eine Bewertung gebeten. Ein unabhängiges Marktforschungsinstitut soll die Erhebung auswerten und ihre Repräsentativität sicherstellen. Auch in den Bereichen Regio und Cargo wurden die gesetzten Zufriedenheitsziele erreicht.
Bahnchefin Evelyn Palla verteidigte das Vergütungsmodell. Die Zahlungen hingen nicht allein von der Pünktlichkeit, sondern von mehreren Kriterien ab. Zudem handele es sich aus ihrer Sicht um variable Gehaltsbestandteile, die in den meisten Fällen nicht vollständig ausgezahlt worden seien. Genehmigt wurden die Regelungen vom Bund als Eigentümer des Staatskonzerns.
Kritik kommt auch vom früheren Bahnmanager und heutigen Ökonomen Rainer Bergmann. Er hält die Hürden für zu niedrig und fordert, die Vergütung stärker an den Interessen des Bundes und an einer spürbaren Verbesserung des Bahnverkehrs auszurichten. Brisant ist in diesem Zusammenhang das für Ende 2029 ausgegebene Ziel einer Fernverkehrspünktlichkeit von 70 Prozent. Blieben die bisherigen Regeln unverändert, könnte das Erreichen dieser Marke bereits eine Auszahlung von 150 Prozent der vereinbarten variablen Vergütung ermöglichen.
Bildquelle: Deutsche Bahn AG / Volker Emersleben
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