Bahn überarbeitet Konzept für Generalsanierungen
- 12. Aug.
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Die umfassende Sanierung stark belasteter Bahnstrecken hat bislang nicht überall die erhofften Verbesserungen gebracht. Besonders auf der Verbindung zwischen Berlin und Hamburg blieb der Erfolg aus: Nach Abschluss der Arbeiten waren die Züge zeitweise sogar deutlich unpünktlicher als zuvor. Die Deutsche Bahn will deshalb ihr Konzept für die geplanten Generalsanierungen überarbeiten.
Bis 2036 sollen mehr als 40 wichtige Streckenabschnitte modernisiert werden. Ziel ist es, die marode Infrastruktur zu erneuern und die Zuverlässigkeit des Fernverkehrs zu verbessern. Zuletzt geriet das Vorhaben jedoch zunehmend in die Kritik. Mehrere Bauprojekte verzögerten sich, die Kosten stiegen und die Pünktlichkeit entwickelte sich trotz der Modernisierungen teilweise nicht wie erhofft.
Bahnchefin Evelyn Palla hatte daher Anfang Juli eine Überprüfung der bisherigen Strategie angekündigt. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur und einem Bericht des „Manager Magazins“ will der Konzern grundsätzlich an den Generalsanierungen festhalten, künftig jedoch andere Schwerpunkte setzen.
Zunächst sollen Anzahl und Umfang der geplanten Projekte neu bewertet und priorisiert werden. Finanzielle Mittel und verfügbares Personal sollen vor allem dort eingesetzt werden, wo die Maßnahmen den größten Beitrag zu Qualität und Zuverlässigkeit im Bahnverkehr leisten. Ob im Zuge dieser Neubewertung einzelne Projekte gestrichen oder verschoben werden, ist bislang offen.
Auch die zeitliche Abstimmung der Bauvorhaben soll verbessert werden. Verzögerungen bei einzelnen Projekten dürfen nach den Vorstellungen des Konzerns künftig nicht mehr dazu führen, dass mehrere wichtige Strecken gleichzeitig gesperrt werden und dadurch zusätzliche Belastungen im gesamten Schienennetz entstehen.
Mehr Gewicht erhält zudem die Digitalisierung. Bislang wurde häufig kritisiert, dass die Bahn sanierte Strecken nicht konsequent mit dem europäischen Zugsteuerungssystem ETCS ausstattet. Künftig sollen die betroffenen Korridore zumindest so vorbereitet werden, dass die digitale Technik zu einem späteren Zeitpunkt einfacher nachgerüstet werden kann.
Veränderungen sind außerdem bei der Wiedereröffnung sanierter Strecken vorgesehen. Statt einen vollständig gesperrten Abschnitt an einem einzigen Termin wieder freizugeben, soll die Inbetriebnahme künftig schrittweise erfolgen. Besonders bei der empfindlichen Leit- und Sicherungstechnik sollen Tests und Abnahmen realistischer geplant werden. Welche Auswirkungen dies auf die Dauer der Bauarbeiten und den gesamten Sanierungsfahrplan haben wird, steht noch nicht fest.
Verkehrsminister Steffen Bilger begrüßte die angekündigte Überarbeitung. Bei den Abläufen und Ergebnissen der Korridorsanierungen gebe es deutlichen Verbesserungsbedarf. Nach Abschluss der Arbeiten müsse eine Strecke messbar zuverlässiger funktionieren als zuvor. Zudem dürften nicht schon kurze Zeit später erneut Baumaßnahmen notwendig werden.
Wie groß der Handlungsdruck ist, zeigt die Verbindung zwischen Berlin und Hamburg. Wegen strenger Winterbedingungen verzögerte sich die Wiederinbetriebnahme dort um mehrere Wochen. Auch nach der Freigabe waren weitere Nachtarbeiten und Sperrungen für die Leit- und Sicherungstechnik erforderlich. Zuletzt erreichte auf der modernisierten Strecke lediglich rund jeder vierte Zug sein Ziel pünktlich.
Auch auf der Strecke zwischen Nürnberg und Regensburg kam es zu Verzögerungen. Der Betrieb konnte dort Ende Juli erst drei Wochen später als ursprünglich vorgesehen wieder aufgenommen werden. Die Bahn steht damit vor der Aufgabe, ihre Sanierungsstrategie so anzupassen, dass die umfangreichen Bauarbeiten künftig tatsächlich zu spürbaren Verbesserungen für die Fahrgäste führen.
Bildquelle: Deutsche Bahn AG / Michael Neuhaus
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